Weltfrauentag 2023: „Gender Health Gap” und Digitalisierung

Der internationale Weltfrauentag blickt auf eine lange Tradition zurück: bereits seit 1921 findet er jährlich am 8. März statt. Dieses Jahr steht die Rolle der Digitalisierung als Hilfe zur Gleichstellung der Geschlechter im Fokus.

An Weltfrauentag wird jedes Jahr besonders auf die noch immer nicht gelöste Ungleichheit zwischen Männern und Frauen, die sich über viele Bereiche – unter anderem die körperliche und psychische Gesundheit – erstreckt, aufmerksam gemacht. Das von UN Women festgelegte Motto des Weltfrauentages 2023 lautet „DigitALL: Innovation and technology for gender equality”: Innovation und technologischer Wandel sowie Bildung im digitalen Zeitalter zur Verwirklichung der Gleichstellung der Geschlechter und Stärkung der Rolle aller Frauen und Mädchen”. „Die Einbeziehung von Frauen und anderen Randgruppen in die Technologie führt demnach zu kreativeren Lösungen und birgt ein größeres Potenzial für Innovationen, die die Bedürfnisse von Frauen erfüllen und die Gleichstellung der Geschlechter fördern (…)”, heißt es.

Der Gender Health-Gap

Nicht nur im virtuellen, sondern auch im medizinischen Raum gibt es bei der Gleichstellung Aufholbedarf: Vielen ist wahrscheinlich der Gender Pay Gap, also die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen bei gleicher Arbeit, bereits ein Begriff. Doch haben Sie schon einmal vom „Gender Health Gap” gehört? Er beschreibt das Ungleichgewicht in der medizinischen Beratung und Behandlung von Frauen gegenüber Männern. Egal ob in der Forschung, der Früherkennung oder in Bezug auf Nebenwirkungen und Wirksamkeit von Medikamenten und Therapien: Bisher wurden häufig nur die Erfahrungen männlicher Patienten berücksichtigt. Dies führt zu einem massiven Problem: Symptome, z.B. die eines Herzinfarkts äußern sich bei Frauen anders als bei Männern und werden somit oft nicht oder nur zu spät erkannt.

Verhütung ist keine Frauensache

Ebenso ist Verhütung ein großes Thema und wird oft als Verantwortung der Frau gehandhabt – sowohl was die Verhütungsmethode als auch die Finanzierung dieser betrifft. Doch Verhütung ist auch eine Kostenfrage. Oft wird jungen Mädchen die Pille als sicheres und unkompliziertes Verhütungsmittel bei der Gynäkologin verschrieben – an der Aufklärung über mögliche Nebenwirkungen wie Stimmungsschwankungen, einem unregelmäßigen Zyklus, Körperveränderungen, Depressionen oder einem erhöhten Thromboserisiko mangelt es jedoch häufig.

Die Pille für den Mann

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) führte bereits Forschungen zur Pille für den Mann durch, allerdings wurde nicht eine Pille, sondern eine hormonelle Verhütungsspritze getestet. Knapp 90 Prozent der Männer vertrugen das Präparat gut, trotzdem brach die WHO die Studie 2011 ab. Der Grund: Ungefähr zehn Prozent der Männer klagten über Nebenwirkungen wie Stimmungsschwankungen, Akne, Libido-Verlust oder Niedergeschlagenheit bis hin zu depressiven Verstimmungen. Das Paradoxe daran: das sind nur wenige der Nebenwirkungen, über die Frauen seit Jahrzehnten klagen.

Neuigkeiten aus der Forschung

Doch es gibt auch erfreuliche Neuigkeiten aus der Forschung: Derzeit wird an einer Antibabypille ohne Hormone und ohne Nebenwirkungen für den Mann geforscht. Eine Studie an Mäusen zeigt vielversprechende Resultate. Laut Forschenden kann die Substanz bei Bedarf jeweils kurz vor dem Sex eingenommen werden. Doch bis das Produkt am Markt erhältlich sei, könne es laut einem Schweizer Experten noch dauern. Es brauche Tests an Menschen sowie weitere Forschung. „Wenn man es richtig pusht, könnte ein solches Medikament in fünf bis zehn Jahren zugelassen werden”, schätzte der an der Studie nicht beteiligte Arzt Phillipp Quaas vom Universitätsspital Basel gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Weltfrauentag in Österreich

Auch dieses Jahr gibt es zahlreiche Aktionen zum Weltfrauentag. Jährlich finden auch in vielen Teilen Österreichs Demonstrationen statt, um auf die Belange von Frauen und FLINTA* (steht für Frauen, Lesben, intersexuelle, nicht-binäre, trans und agender Personen) aufmerksam zu machen. Auch über Social Media, Online- und Printmedien sowie Kunst und Kultur werden Aktionen verbreitet und Bewusstsein über die noch immer bestehende Diskriminierung und Ungleichheit geschaffen.

So bietet beispielsweise das Wiener Rathaus anlässlich des diesjährigen Weltfrauentages Beratungsangebote, Filmvorführungen, Workshops und Führungen für Frauen an. Das frisch renovierte Österreichische Parlament lädt dieses Jahr gemeinsam mit der Österreichischen Krebshilfe zum Brust- und Unterleibskrebskongress und will somit die Möglichkeit für einen Dialog auf Augenhöhe zwischen Patient:innen und Expert:innen bieten. Mehr dazu erfahren Sie hier.

Quellen:
https://science.apa.at/power-search/7472417914184879498
https://www.diepresse.com/6251740/neue-fortschritte-bei-der-pille-fuer-den-mann 
https://www.quarks.de/gesundheit/medizin/darum-gibt-es-noch-keine-anti-baby-pille-fuer-maenner/ 
https://www.wien.gv.at/menschen/frauen/stichwort/politik/frauentag/wiener-frauentag.html
https://www.unwomen.at/unserearbeit/kampagnen/international-womens-day/
https://www.wien.gv.at/menschen/frauen/stichwort/politik/frauentag/wiener-frauentag.html
https://www.krebshilfe.net/presse/detail/brust-und-unterleibskrebskongress-am-832023-im-oesterreichischen-parlament

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