Stimmungsmacher Darm

Unsere Ernährung und die damit einhergehende Magen-Darm-Gesundheit beeinflusst unser Wohlbefinden maßgeblich. Aktuelle Erkenntnisse deuten zusätzlich darauf hin, dass die individuelle Zusammensetzung der Darmflora auch eine entscheidende Rolle für die Psyche und damit auch für unsere Stimmung spielt. 

Bakterien, die gute Laune machen?

In unserem Darm leben zahlreiche Bakterien, Pilze und Phagen, die das Mikrobiom bilden. Dieses spielt eine zentrale Rolle für unser Immunsystem und schützt uns vor Krankheiten. Über 70 Prozent unserer Immunzellen sitzen im Dick- und Dünndarm. Gleichzeitig stehen die Mikroorganismen im ständigen Austausch mit dem Gehirn. „Unsere Gemütslage wird vom Darm viel stärker beeinflusst, als wir uns das bisher träumen ließen.” so Neurogastroenterologe Peter Holzer, Professor für Experimentelle und Klinische Pharmakologie der Medizinischen Universität in Graz im Interview mit der Zeit.

Mikrobiom – Was ist das?

Ähnlich wie bei einem Fingerabdruck gibt es kein „normales” Mikrobiom. Vielmehr hat jeder Mensch eine individuelle Darmflora, welche sich permanent verändert. Die genaue Zusammensetzung hängt von vielen verschiedenen Faktoren, wie dem Gesundheitszustand, den Ernährungsgewohnheiten oder dem Grad der körperlichen Aktivität ab. Viele Fragen über die wechselseitige Wirkung von Mikrobiom, Energielevel und Stimmung sind zum derzeitigen Stand der Forschung aus genau diesen Gründen noch unbeantwortet. Klar ist jedoch: Eine reduzierte Vielfalt des Mikrobioms kann zu physischen und psychischen Erkrankungen führen. 

Wie hängen Darmflora und Stimmung zusammen?

Eine aktuelle Studie rund um die Ernährungswissenschaftlerin Lauri Byerley vom Louisiana State University Health Sciences Center beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen Mikrobiom und Energielevel. Die Untersuchungen legen nahe, dass Bakterien, die am Stoffwechsel beteiligt sind, Einfluss darauf haben wie energiegeladen wir sind. Bakterien, die mit körperlichen Entzündungsprozessen in Verbindung stehen, beeinflussen wiederum, wie erschöpft wir geistig und körperlich sind. „Unser Mikrobiom nimmt über Stoffwechselprodukte und Botenstoffe wie das Glückshormon Serotonin Einfluss auf unsere Psyche und Stimmung.“ bestätigt Gabriele Moser, Fachärztin für Innere Medizin und Psychotherapeutin an der Medizinischen Universität Wien im Interview mit dem Standard.

Die Studie von Lauri Byerley und ihren Kolleg:innenen bestätigt einmal mehr den starken Zusammenhang zwischen Darmbakterien und der Psyche. Warum aber genau eine bestimmte Zusammensetzung des Mikrobioms mit mehr oder weniger Energie bzw. Müdigkeit einhergeht, können die Forscher:innen bislang noch nicht sagen. Genauso bleibt die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung weiterhin offen.

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